Franziska Niedermeir entdeckt Australien

Franziska in Australien„Nachdem ich in der 11. Klasse einen Schüleraustausch nach Australien gemacht habe, wollte ich unbedingt mehr von dem Kontinent sehen“, erklärt Franziska Niedermeir. Das war der Grund, warum sie nach dem Abitur für zehn Monate den Landkreis Dachau verließ und auf den fünften Kontinent flog.

Anfangs war sie sich unsicher, denn es gab vieles zu planen und zu beachten bevor sie die Reise antreten konnte.

Das wichtigste Utensil für den Auslandsaufenthalt ist das „Working – Holiday - Visum“. Es ist für ein Jahr gültig. Um es zu bekommen muss man bestimmte Kriterien erfüllen, unter anderem gibt es eine Altersgrenze (30 Jahre) und man muss 3000 Euro Kapital oder den Rückflug vorweisen können.

Franziska Niedermeir entschied sich ohne eine Organisation nach Australien zu reisen, nachdem ihr Bekannte dazu rieten. Organisationen bieten den Reisenden gegen Bezahlung zum Beispiel Hilfe beim Beantragen von Bankkonten und Steuernummern an, was man allerdings auch alleine meistern kann. Franziska hatte Unterstützung von einer anderen Seite: Ihre Gastfamilie, die sie über den Schüleraustausch kennen gelernt hatte, nahm sie gerne für einige Zeit auf und half ihr beim Autokauf.

Dennoch reiste Franziska in den zehn Monaten durch ganz Australien. An der Ostküste in Brisbane gelandet ging es zunächst nach Sydney, Cairns, ans Great Barrier Reef und nach Melbourne. Nach einigen Arbeitswochen fuhr Franziska durch die Nullarbor-Ebene im Süden Richtung Westen und besichtigte dort Perth. An der Westküste entlang ging es weiter Richtung Norden.

Von Darwin aus fuhr die Bayerin mit dem Bus in die Mitte Australiens nach Alice Springs. Dort steht der Uluru, die berühmte Felsformation aus Sandstein. „Als wir abends um das Lagerfeuer am Uluru saßen, kam das Thema Nationalhymnen auf“, erzählt Franziska. „Einer nach dem Anderen sang die Nationalhymne seines Landes. Wir waren eine Gruppe mit vielen verschiedenen Nationalitäten: Frankreich, Israel, China, Japan, Schottland, Korea, Italien, Belgien und natürlich Deutschland. Es war interessant und lustig die sonst selten gehörten Nationalhymnen vorgesungen zu bekommen.“ Von Uluru fuhr sie wieder Richtung Süden, nach Melbourne, um dann von der Ostküste aus nach Hause zu fliegen.

Die reisenden Touristen mit Rucksäcken werden Backpacker genannt. Grundsätzlich sind in Australien viele europäische Nationalitäten unter den Backpackern zu finden, aber auch Asiaten bereisen häufig das Land.

Die vielen Touristen werden von den Einwohnern meist sehr positiv aufgenommen. Die Bevölkerung besteht zu einem kleinen Teil aus Eingeborenen, den Aborigines, die hauptsächlich im Norden und im Outback, das sind Regionen, die fernab der Zivilisation liegen, leben. Das Land um Uluru gehört zum Beispiel den Aborigines und es befinden sich darauf viele heilige Stätten. Der Großteil der Bevölkerung hat seine Wurzeln in Europa, vorwiegend kommen sie aus England und Irland, aber auch die asiatische Abstammung ist vertreten.

Die Einwohner sind sehr hilfsbereit, freundlich und offen. „Als wir durch das Outback fuhren, wurde das Benzin knapp. Es fanden sich freundliche Australier, die uns bis zur nächsten Tankstelle hinterher fuhren, um sicher zu gehen, dass wir nicht stehen bleiben würden. Das waren immerhin 40 Kilometer“, so Franziska. Viele Backpacker haben ähnliche Situationen erlebt. Durch die freundliche Mentalität der Australier wird der Aufenthalt in Down Under noch angenehmer.

„Working – Holiday – Visum“ – das bedeutet abwechselnd reisen und arbeiten. Die Backpacker können verschiedene Arbeiten annehmen um sich den Aufenthalt in Australien zu finanzieren. Arbeit finden ist in Australien relativ einfach. Es gibt mehrere Möglichkeiten: Zum einen gibt es „Working-Hostels“, das sind Jugendherbergen die meistens nur Reisende aufnehmen, die auch arbeiten wollen. Für diese suchen und vermitteln sie Jobs. Das kann Farmarbeit, arbeiten als Servicekraft oder in der Jugendherberge sein.

Aber auch in allen anderen Jugendherbergen hängen Zettel aus, auf denen Arbeit angeboten wird. Eine weitere Möglichkeit ist die „Ernte-Hotline“. Dort kann man kostenlos anrufen und bekommt Telefonnummern von Arbeitgebern.

In Franziska Niedermeirs Fall hieß arbeiten Erntearbeit: Melonen, Bohnen und Blaubeeren pflücken und sortieren oder Unkraut jäten. „Das Arbeiten selbst macht nicht besonders viel Spaß“, erinnert sich Franziska. „Das Tolle sind die Leute, die man kennen lernt, dadurch wird die Arbeit lustig. Diese Arbeitswochen enthalten für mich die schönsten Erinnerungen.“ Vor allem in den Bundesstaaten Queensland (Nord-Osten) und New South Wales (Osten) gibt es viele Jobs. Richtung Westen nimmt das Job-Angebot und somit auch die Anzahl der Reisenden ab. Das liegt daran, dass diese Regionen trockener und nicht stark besiedelt sind. Das Touristen-Zentrum liegt an der Ostküste.

„Wenn man mit dem verdienten Geld sparsam umgeht, kann man die gleiche Zeit, die man gearbeitet hat, auch umherreisen“, sagt Franziska aus eigener Erfahrung, denn bei ihr hat es so geklappt. Sie konnte sich alle Sehenswürdigkeiten ansehen und war sogar auf Tasmanien, hat Phillip Island mit den Pinguinen besucht und im Norden Krokodile gesehen.

Auch die Übernachtung gestalten sich in Australien ziemlich einfach: Sofern keine großen Veranstaltungen sind, findet man meistens eine Unterkunft. In welchen Jugendherbergen Plätze frei sind, kann man vor Ort erfahren. Sollte kein Bett mehr frei sein, kann man immer noch im Auto schlafen, allerdings nur auf Campingplätzen und nicht auf Parkplätzen, denn das ist verboten.

Franziska würde jedem empfehlen den Kontinent in einem mehrmonatigen Aufenthalt zu bereisen; auch um die Sprache anschließend flüssiger sprechen zu können. Allerdings meint sie, dass sich ihr Wortschatz nicht viel erweitert hätte.
„Von dem Land habe ich nun alles gesehen, was mich reizt. Den 24-Stunden-Flug würde ich mir nur noch einmal auf mich nehmen, um meine Gastfamilie und Freunde zu besuchen.“ Aufregende Erfahrungen machen, selbstständig und unabhängig werden und ein tolles Land entdecken, diese Ziele hat Franziska sich erfüllt. Und neue Freunde hat sie auch noch gefunden. Wenn das die Reise nicht wert war!

 

(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Dachauer Rundschau: "Orthoferin entdeckt Australien", 2007)