Josef-Effner-Gymnasium

Schneechaos wirbelt "Klimawandel"durcheinander
Organisatoren beweisen auf Aktionsabend im Josef-Effner-Gymnasium vor großem Publikum Improvisationstalent

Dachau - Dass das Klima immer wärmer wird, weltweit ebenso wie hier in Bayern, davon war am Donnerstag beim Aktionsabend zum Thema Klimawandel im Josef-Effner-Gymnasium nichts zu spüren. Roswitha Stolz, Geografin an der Münchner LMU und als Referentin eingeladen, brauchte im dichten Schneetreiben drei Stunden für die Fahrt nach Dachau; ihr Kollege Ralf Ludwig kapitulierte auf halber Strecke vor dem Wetter. Das absolute Verkehrschaos bei zehn Zentimetern Schnee, sagte Stolz zu Beginn ihres Vortrags gegen 21.30 Uhr, sei doch ein gutes Beispiel dafür, dass wir den Winter schon nicht mehr gewöhnt seien.

Diashow mit Xylophonspiel

Ziel des Abends sowie der Aktionswoche am Josef-Effner-Gymansium war, das Bewusstsein neu zu schärfen, dass jeder mithelfen kann, den menschgemachten Klimawandel zu bremsen, indem er sein Verhalten ändert. Die Initiatorin, die 18-jährige Schülerin Kerstin Dörner, hatte ihre Mitschüler dazu aufgerufen, eine Woche lang die Thermostate der Schule auf 19 Grad herunterzudrehen, um Energie zu sparen. Ihre Klimarettungsaktion war ein voller Erfolg (siehe Kasten links). Dass das Wetter den Aktionsabend zu sabotieren schien, fiel da nicht groß ins Gewicht. Statt klimawissenschaftliche Vorträge zu hören, kam das angesichts des Wetters erstaunlich große Publikum zunächst in den Genuss mehrerer Stücke der Effner-Band und vor allem des Marimbaphonspiels des Achtklässlers Christian Benning, der Dörners Diashows zu Schönheit und Gefährdung der Natur bemerkenswert differenziert begleitete.

Die geplante Diskussionsrunde fand anschließend in veränderter Besetzung statt. Zu Kerstin Dörner, Moderator Martin Bernstein (Süddeutsche Zeitung), der Klimabeauftragten des Landkreises Brigitte Detering und Geografielehrer Jürgen Albertsmeier gesellte sich anstelle der beiden Klimawissenschaftler der FDP-Landtagsabgeordnete Tobias Thalhammer. Darin, dass man etwas gegen den Klimawandel tun müsse, waren sich alle einig; doch so konkrete Anregungen wie die Schülerin konnte oder wollte niemand geben.

Auch die nach Ende der Gesprächsrunde eingetroffene Münchner Geografin betonte: "Wir errechnen nur die möglichen Klimaszenarien. Die Konsequenzen daraus umsetzen müssen andere." Erhellend war ihr Vortrag, in dem sie zunächst anstelle ihres Kollegen über den globalen Klimawandel sprach sowie anschließend über dessen konkrete Auswirkungen auf Bayern, dennoch. Auch wenn der Klimawandel "in aller Munde" ist, "auch in der Schule", wie Kerstin Dörner eingangs angemerkt hatte, so war es doch für viele Zuhörer überraschend, dass die globale Temperatur schon heute über dem im Jahr 2000 errechneten Worst-Case-Szenario liegt oder dass Bayerns Forstwirte sich heute schon darauf einstellen, dass die Fichte hierzulande in 40 Jahren nicht mehr lebensfähig sein wird.

Schüler als Energieexperten

Die Geografin Roswitha Stolz hatte schon vor und während der Aktionswoche die Schüler darin unterstützt, den Gasverbrauch der Schule festzustellen und mit Wärmebildkameras die größten Schwachstellen in der Wärmedämmung der Schule, die gerade renoviert wird, auszumachen. Nebenbei wiesen die engagierten Schüler in den vergangenen Tagen pro Klasse zwei "Energieexperten" ein, die darauf achten sollen, dass Heizungen heruntergedreht werden, Fenster nicht übermäßig lange geöffnet und Lichter nicht sinnlos eingeschaltet bleiben. Eine kleine Filmdokumentation wurde gedreht, und Kunstschüler der zehnten Klassen malten, zeichneten und klebten kritische Plakate zum Thema.

Nachdem sich nur zwei Zehntklässler durch die Schneemassen zum Aktionsabend durchgekämpft hatten, sollen die Preise für die besten Plakate nach der nun anstehenden Schulferienwoche verliehen werden - vielleicht bei etwas freundlicherem Wetter, in jedem Fall aber bei klimafreundlicher Raumtemperatur. Nach dem Erfolg der Aktion sollen die 19 Grad nun erst einmal beibehalten werden.

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