Sulzemoos - Neu erfinden musste Hans Blume, Musiklehrer am Josef-Effner-Gymnasium,
sein legendäres Jazz-Salonorchester schon häufig. Jedes Jahr, wenn wieder
eine Geigerin, zwei Saxophonisten oder ein Sousaphonist nach dem Abitur
die Schule verließen. Junge Musiker rückten nach. Mit dem achtjährigen
Gymnasium, welche das neunjährige ersetzt hat, ist alles schwieriger geworden.
Nachmittagsunterricht, Intensivierungsstunden. Manchmal, erzählt Blume,
'sitze ich nicht einmal einer Handvoll Schülern gegenüber'.
Er übt mit ihnen dann klassische Kammermusik, oder er zieht doch eines
der Arrangements aus seiner Sammlung hervor: Tanzmusik der zwanziger und
dreißiger Jahre. Deutsche Tonfilmschlager oder amerikanisch-heiße Rhythmen.
'Sie will nicht Blumen und nicht Schokolade' oder, 'Crazy Words, Crazy
Tune'.
In dieser Woche machte Blume aus der Not eine Tugend. Mit Schülern und
frisch gebackenen Abiturienten reiste er für drei Tage in die Jugendherberge
nach Bad Tölz. Hier wurde improvisiert, gearbeitet, gefeilt. Zusätzliche
Stimmproben wurden anberaumt. Und wenn die Kleineren ins Bett mussten,
übten die Großen weiter.
Wie erfolgreich, zeigt sich am Donnerstagabend im Gut Schloss Sulzemoos. Fast in früherer Mannschaftsstärke tritt das Salonorchester mit einer grandiosen, von vielen Soli durchsetzten Darbietung auf, zwischendurch spielen kleiner besetzte Ensembles, und auch ehemalige Salonorchestermusiker sind gekommen. Vor knapp zwei Jahren haben sie als Blumes Hot 13 wieder zusammengefunden. So sind schließlich zwei, drei, vier Generationen des Salonorchesters versammelt, spielen für einander, für die Eltern und Lehrer, die gekommen sind, sie spielen abwechselnd und auch - zum ersten Mal in dieser Besetzung - miteinander. Wie sich die Generationen so einfach verbinden lassen? Durch Hans Blume. Und durch die Musik des Jazz-Salonorchesters. Denn diese Musik ist alt und jung genug für den Konsens. Blume strahlt: 'Ist das nicht schön, wenn wir alle wieder einmal zusammen sind?'
Quelle: Süddeutsche Zeitung Dachau, 7.05.11