Dachau - Dass er die Oberstufenschüler am Josef-Effner-Gymnasium (JEG)
zum Abitur begleitet, hat Tradition. Ulrich Rauhut bringt den Schülern
nicht nur Physik und Mathematik bei, er ist auch seit zehn Jahren als
Koordinator tätig. In diesem Amt haben ihn alle Abiturienten des achtjährigen
Gymnasiums zum ersten Mal in der zehnten Klasse kennen gelernt - dort,
wo seine Arbeit ansetzt: Informationsveranstaltungen zur neuen Oberstufe.
Keiner kann wohl besser beurteilen, was sich alles geändert hat, weil
das neunjährige durch das achtjährige Gymnasium ersetzt wurde.
Zunächst wird ihm eine Sorge erhalten bleiben: die um Schüler mit einem
etwas unterentwickelten Organisationstalent: 'Es kommt jedes Jahr vor,
dass ich einen Abiturienten um fünf vor neun vom Frühstückstisch rufen
muss. Am Prüfungstag', lacht er. 'Dabei wird das Datum und die Uhrzeit
der jeweiligen Prüfungen ständig wiederholt.'
Spannend wird es, wenn die Lehrer am heutigen Freitagmorgen die Prüfungsbögen
aufschlagen und dann wissen, ob es ihnen gelungen ist, den ersten G-8-Jahrgang
auch richtig vorzubereiten. Ob also das Experiment des ersten Abiturjahrgangs
am G8 erfolgreich verlaufen kann. Der Oberstufenkoordinator unterrichtet
selbst zwei Klassen im Fach Mathematik. Er erzählt: 'Ich werde oft gefragt:
Und, was kommt denn jetzt dran?' Früher, also zu G9-Zeiten, konnte er
seine Schüler leicht beruhigen: 'Wenn du das Prüfungsbuch durchgerechnet
hast, kann nicht mehr viel passieren'.
'Am gravierendsten ist die Tatsache, dass nun mündliche und schriftliche Leistungen gleich viel zählen.', erklärt Rauhut. Nach der Fächerwahl teilt der Oberstufenkoordinator die Jugendlichen in ihre Kurse ein. 'In der elften Klasse ist es dann ein bisschen ruhiger', meint er. In dieser Phase stehen die Planungen von Schulaufgaben und Beratungsgespräche an. 'Natürlich geht es dabei immer um zu erbringende Leistungen und die Hürden, die viele junge Menschen in der Oberstufe überwinden müssen', sagt Rauhut. Dabei erfahre der Lehrer 'oft die verrücktesten Dinge', die sich teilweise im privaten Umfeld der Schüler abspielten. Nach solchen Gesprächen bleibe ihm 'oft nur noch die Hoffnung, dass es derjenige bei der Prüfung trotzdem schafft'.
Quelle: Süddeutsche Zeitung Dachau, 13.05.2011