Josef-Effner-Gymnasium

Das große Experiment
Wie der erfahrene Oberstufenkoordinator Ulrich Rauhut am Effner-Gymnasium die Schüler auf den heutigen Tag vorbereitet hat
Von Katharina Leistner

Dachau - Dass er die Oberstufenschüler am Josef-Effner-Gymnasium (JEG) zum Abitur begleitet, hat Tradition. Ulrich Rauhut bringt den Schülern nicht nur Physik und Mathematik bei, er ist auch seit zehn Jahren als Koordinator tätig. In diesem Amt haben ihn alle Abiturienten des achtjährigen Gymnasiums zum ersten Mal in der zehnten Klasse kennen gelernt - dort, wo seine Arbeit ansetzt: Informationsveranstaltungen zur neuen Oberstufe. Keiner kann wohl besser beurteilen, was sich alles geändert hat, weil das neunjährige durch das achtjährige Gymnasium ersetzt wurde.

Zunächst wird ihm eine Sorge erhalten bleiben: die um Schüler mit einem etwas unterentwickelten Organisationstalent: 'Es kommt jedes Jahr vor, dass ich einen Abiturienten um fünf vor neun vom Frühstückstisch rufen muss. Am Prüfungstag', lacht er. 'Dabei wird das Datum und die Uhrzeit der jeweiligen Prüfungen ständig wiederholt.'

Spannend wird es, wenn die Lehrer am heutigen Freitagmorgen die Prüfungsbögen aufschlagen und dann wissen, ob es ihnen gelungen ist, den ersten G-8-Jahrgang auch richtig vorzubereiten. Ob also das Experiment des ersten Abiturjahrgangs am G8 erfolgreich verlaufen kann. Der Oberstufenkoordinator unterrichtet selbst zwei Klassen im Fach Mathematik. Er erzählt: 'Ich werde oft gefragt: Und, was kommt denn jetzt dran?' Früher, also zu G9-Zeiten, konnte er seine Schüler leicht beruhigen: 'Wenn du das Prüfungsbuch durchgerechnet hast, kann nicht mehr viel passieren'.

'Am gravierendsten ist die Tatsache, dass nun mündliche und schriftliche Leistungen gleich viel zählen.', erklärt Rauhut. Nach der Fächerwahl teilt der Oberstufenkoordinator die Jugendlichen in ihre Kurse ein. 'In der elften Klasse ist es dann ein bisschen ruhiger', meint er. In dieser Phase stehen die Planungen von Schulaufgaben und Beratungsgespräche an. 'Natürlich geht es dabei immer um zu erbringende Leistungen und die Hürden, die viele junge Menschen in der Oberstufe überwinden müssen', sagt Rauhut. Dabei erfahre der Lehrer 'oft die verrücktesten Dinge', die sich teilweise im privaten Umfeld der Schüler abspielten. Nach solchen Gesprächen bleibe ihm 'oft nur noch die Hoffnung, dass es derjenige bei der Prüfung trotzdem schafft'.


Quelle: Süddeutsche Zeitung Dachau, 13.05.2011