Dachau - Der Lehrplan wurde umgestaltet und das Lerntempo
durch zusätzlichen Nachmittagsunterricht sowie Intensivierungsstunden
erhöht. Aber wie viel das neue, offiziell optimierte acht- statt neunjährige
Gymnasium wirklich taugt, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen.
Denn heute beginnen bayernweit die schriftlichen Abiturprüfungen am G8.
Im Landkreis treten 288 Abiturienten an: 67 sind es im Ignaz-Taschner-Gymnasium
in Dachau, 124 im Josef-Effner-Gymnasium in Dachau und 97 Prüflinge im
Gymnasium Markt Indersdorf.
Der Doppeljahrgang beläuft sich auf insgesamt 69000 Schüler an 400 bayerischen
Gymnasien. Während die knapp 37000 Abiturienten des neunjährigen Gymnasiums
schon am 2.Mai offiziell entlassen wurden, beginnt nun die zweite Phase
mit 32000 Schülern, die sich heute der ersten Prüfung im Fach Deutsch
stellen müssen.
Im System hat sich viel geändert. Vorbei sind die Zeiten der Grundkurse
und Leistungsfächer. Die Pioniere der neuen Oberstufe wählen zwar ein
drittes Prüfungsfach, welches schriftlich geprüft wird, und stellen nach
wie vor im Kolloquium ihre Fähigkeiten mündlich unter Beweis. Doch bei
der Bewertung der Abschlussprüfungen wurde Entscheidendes verändert: Zugunsten
vieler Schüler zählen mündliche und schriftliche Leistungen jetzt gleichwertig,
während die schriftlichen Klausuren im G9 noch doppelt gewichtet wurden.
Zudem ist Mathematik neben Deutsch und einer Fremdsprache zur Pflichtprüfung
geworden. Die Anzahl der Prüfungsfächer steigt somit von vier auf fünf.
Allein am Effner-Gymnasium müssen 250 Kolloquien durchlaufen werden -
jeder Schüler absolviert zwei mündliche Prüfungen innerhalb von zehn Tagen.
Für den Oberstufenkoordinator Ulrich Rauhut, der den Ablauf dirigieren
muss, ist das eine echte organisatorische Herausforderung. 'Der Stress
für die Schüler und Lehrer ist ziemlich groß.' Rauhut ist stolz darauf,
dass jedem Schüler genügend Zeit bleibe, sich vorzubereiten. Keiner müsse
innerhalb von zwei Tagen zwei Prüfungen absolvieren. 'Wir haben den Ablauf
gerecht geregelt.'
Günther Pölsterl, Direktor am Gymnasium in Markt Indersdorf, verspricht wohl stellvertretend für seine Kollegen allen Schülern, dass es an den drei Dachauer Gymnasien gerecht zugeht, unabhängig davon, ob die Abiturienten nun die neunjährige oder die achtjährige Schullaufbahn hinter sich gebracht haben. Aber er sieht auch den enormen Druck, dem die Prüflinge wegen der Doppeljahrgänge nicht nur in Bayern auf dem Weg zu den Universitäten oder einem Ausbildungsplatz ausgesetzt sind. Die Abiturienten der drei Dachauer Gymnasien kommen damit anscheinend gut zurecht. Denn wie eine kleine Umfrage zeigt, lassen sich viele von Anspannung und Konkurrenz um Studienplätze nicht davon abhalten, erst einmal ausgiebig auf Reisen zu gehen oder sogar ins Ausland zu gehen, um zu studieren.
Quelle: Süddeutsche Zeitung Dachau, 13.05.2011