Karlsfeld - Versuchskaninchen ist ein Wort, das bei der Zeugnisvergabe der Abiturienten des Josef-Effner-Gymnasiums (JEG) häufig gefallen ist. Auch wenn die Bilanz nicht nur positiv ausfällt - jetzt hat es der erste G-8-Jahrgang geschafft. 123 junge Männer und Frauen traten im Mai zu den Abiturprüfungen an. 120 von ihnen nahmen am vergangenen Freitag ihr Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife im vollen Karlsfelder Bürgerhaus entgegen.
Bevor Kurt Stecher, Direktor des JEG, die Zeugnisse überreichte, bekamen die Abiturienten bei den traditionellen Reden positive Worte mit auf den Weg. 'Sie haben alle Chancen', sagte Landrat Hansjörg Christmann (CSU) mit Blick auf den zukünftigen Mangel an Akademikern. Er ermutigte die Absolventen, bei der Berufswahl Begabung und Neigung zu berücksichtigen. Sie sollten nicht nur von Statistiken ausgehen. 'Sie müssen Ihre Zukunft in die Hand nehmen.' Direktor Kurt Stecher warf einen Blick zurück auf den September des Jahres 2003, in dem der Großteil der Abiturienten an das Gymnasium kam. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Schüler noch nicht, das sie nur acht Jahre dort bleiben würden. 'Sie haben sich wacker geschlagen.' Jetzt sollten die jungen Menschen optimistisch in die Zukunft blicken. Stecher hofft, dass sie am JEG eines gelernt haben: 'Seien Sie kritisch.'
Dass er das kann, hat Florian Probst, Sprecher der Abiturienten, bei seiner Rede gezeigt. Er sprach über fehlende Bücher und Lehrpläne sowie über ratlose Lehrer. Trotz allem: 'Es ist gelungen, das Beste daraus zu machen.' Auch die Grundsanierung des Gymnasiums und die damit verbundenen Bauarbeiten sorgten nicht immer für Freude. 'Die Mülleimer, die wir bei Regen aufgestellt haben, werde ich vermissen', sagte der 19-Jährige mit einem Augenzwinkern. Großes Lob bekam Oberstufenkoordinator Ulrich Rauhut. 'Wir sind nur wegen Ihnen hier.' Rauhut sei nicht nur als Lehrer, sondern auch als Mensch immer für die Schüler da gewesen.
17 Schüler bekamen eine Ehrung für ihr Abitur, das sie mit 1,5 oder besser abschlossen. Florian Kasper und Thomas Reischl schafften einen Schnitt von 1,0. Beim letzten G-9-Jahrgang waren es noch zwei Mädchen gewesen, die dieses Ergebnis erreicht hatten. Mit 1,1 schlossen Verena Bialetzki, Constanze Deger und Sandra Mekidiche ab. Caroline Hülbig und Constantin Sakuth schafften die Note 1,2.
An diesem Samstag findet der Abiturball statt, offiziell das letzte gemeinsame Fest der Absolventen. Und wie geht es weiter? Bevor das richtige Leben losgeht, haben viele noch ganz andere Pläne. Valentina Huber und Anna Schauer möchten noch ein wenig Geld verdienen. Das können sie auch gut brauchen: Im Oktober gehen die beiden 18-Jährigen gemeinsam auf Weltreise. Danach wird Anna Schauer Wirtschaftsingenieurwesen studieren. Valentina Huber möchte sich für Psychologie bewerben. Sie hat einen Abiturdurchschnitt von 2,2, will es aber trotzdem schaffen. Das sollte kein Problem sein: Sie hat ja auch das G 8 gemeistert.
Quelle: Süddeutsche Zeitung Dachau, 2.07.11