Dachau - Ob sie es bis zum Bundespräsidenten schaffen werden? Und ob es den jetzigen dann wohl noch gibt? Die Frage, ob er bleiben sollte, wäre wohl auch ein schönes Thema für die Meister-Debattiererinnen Clara Hoffmeister und Emily Holmes. Die beiden Schülerinnen des Josef-Effner-Gymnasiums in Dachau belegten beim Regionalentscheid des Wettbewerbs 'Jugend debattiert' die beiden ersten Plätze. Damit ist für sie der Weg frei zum Bayerischen Endausscheid, der im April in München stattfinden wird.
In Weilheim hatten die Neuntklässlerinnen sich souverän mit einem Thema mit äußerst sperrigem Titel herum geschlagen, nämlich: 'Sollen Schülerinnen und Schüler ab der achten Klasse verpflichtet werden, einen Internetführerschein zur Benutzung sozialer Netzwerke zu absolvieren?' Gemeinsam mit noch einer Schülerin aus dem Effner-Gymnasium, Anna Kustermann, hatten sie es nach zwei Vorrunden in Weilheim ins Finale geschafft. Anna Kustermann belegte den dritten Platz. Robert Mieth und Michael Kurz vom Ignaz-Taschner-Gymnasium, die es ebenfalls nach Weilheim geschafft hatten, gingen mit der Urkunde über die Teilnahme am Regionalentscheid nach Hause. Nur die Namen Hoffmeister, Holmes und Kustermann wurden dabei nicht aufgerufen: denn sie kamen ins Finale, wo sie mit einer weiteren Schülerin aus Bayern antraten.
Auf die Vorrunden hatten sich die drei Mädchen vom JEG zehn Tage vorbereiten können. Und zwar auf das Pro und Kontra der Fragen, ob Schüler Gedichte auswendig lernen sollten und ob für Jugendliche Fahrverbot als Strafe eingeführt werden sollte. Welche Meinung die Debattanten tatsächlich vertreten, spielt im Wettbewerb keine Rolle. Es geht um sachliches Debattieren. Deshalb wird auch erst vor Beginn der Runde ausgelost, welche Sicht sie vertreten. Oft müssen sie sowohl Für und Wider verteidigen. Nicht Sachkenntnis und eine klare Stimme allein verhelfen den Teilnehmern zu Punkten. Sie müssen vor großem Publikum die Nerven bewahren. Die Finalistinnen hatten zudem mit den technischen Störungen der Lautsprecheranlage zu kämpfen. Clara Hoffmeister erhielt schließlich von der sechsköpfigen Jury die meisten Punkte und belegte Platz eins, auf Platz zwei kam Emily Holmes.
Die beiden werden sich in einem Workshop auf das Landesfinale vorbereiten. Wenn sie dort auch siegen, geht es für sie zum Bundesentscheid in Berlin - und zum Bundespräsidenten. Wie auch immer er heißen wird.
Aline Pronnet
Quelle: Süddeutsche Zeitung Dachau, 15.02.12